2010

Das letzte Jahr von RIP begann mit einer Co-Produktion im schönen München:
Die neueröffnete „Repüblik“ der Münchner Urbanauten produzierte mit uns


"FLEISCH"
Eine Hommage an Kleist, Genet und andere Autoren

Cast:

Mariella Maier (Ideale), Martin Petschan (Der gnädige Herr)

Im Film:Matthias Kauffmann, Rupert Jörg, Niclas Geissler, Kai Göhrig
Regie:Dominik Frank
Video:Johannes Kagerer

Eine junge Autorin stellt ihr neuestes Buch vor, ein junger Regisseur seine neue Inszenierung, Sahne landet im Gesicht der jungen Frau, Möhren werden brutal geschnitten, Texte wie am Fließband verarbeitet, am Ende gibt es Kaffee und Hackfleisch für alle. Eine Flucht gelingt nicht.
Eine Produktion, von Anfang bis Ende von Krisen begleitet. Am Ende zum Guten gewendet!



Und dann die letzte Premiere. Zwei Stücke an einem Abend, zurück zu den ganz antiken Wurzeln in der Übersetzung des großen Hölderlin:


"ÖDIPUS / ANTIGONE"
Von Sophokles

Cast:

Anna März (Tiresias, Iokaste, Hirte, Antigone), Niclas Geissler (Ödipus, Ismene, Wächter, Hämon), Kai Göhrig (Kreon, Bote)

Regie: Dominik Frank
Dramaturgie: Anna von Kölln

Ein junger Mann tötet seinen Vater und zeugt mit seiner Mutter vier Kinder: Ödipus. Noch nie hat ein Mensch soviel Schuld auf sich geladen. Antigone, seine Tochter und Schwester, hat dieses Leid mitzutragen. Doch dann entbrennt ein Konflikt zwischen Staat und Familie: Was ist ein Leben noch wert?
In unserer letzten Inszenierung durften die Zuschauer als antiker Chor mit am Konferenztisch Platz nehmen und an der Lösung des großen Rätsels hautnah teilnehmen…


N. Geissler, K. Göhrig

ÖDIPUS/ANTIGONE en detail


Am Ende der Spielzeit verabschiedeten wir uns von unserem Publikum mit dem Festival: „DIE ROSENHEIMER SALZBURGER FESTSPIELE“. Dabei gab es nicht nur die schönsten Produktionen der letztem Jahre sondern auch einen Poetry-Slam mit lebenden und toten Dichtern, den Bert Brecht und Dave Coteletto souverän für sich entschieden, eine Vortragsreihe zum Thema „Regietheater heute“ sowie unseren letzten Schnipsel-Abend „DIE ROCKY RIP SHOW“, an dem alle Stücke gezeigt wurden, die wir bis dahin noch nicht geschafft hatten:


"THE ROCKY R.I.P. SHOW"

Kick it like Buddenbrooks
Das lang geplante, oft beworbene und dann doch nie in Rosenheim produzierte Thomas-Mann-Projekt wurde von Dominik Frank aufgegriffen und zu einem neuen Monolog verarbeitet.

Die Disney-Killer
Seit Jahren versucht Justus Dallmer, uns besagtes ominöses Stück schmackhaft zu machen; bislang erfolglos. Doch nun, kurz vor knapp, konnte Dallmer höchstselbst zu Werke schreiten und das Werk im Innenhof der Vettern in die Zielkurve metzeln.

Dschungelbuch-Fragmente
Nachdem unser in großem Stil geplantes Sommertheaterprojekt für das Jahr 2010 feierlich in den Orkus nie produzierter Produktionen wanderte, präsentierte die junge Regisseurin Tatjana Gassl einmalig performativ bereits konzipierte Versatzstücke der Großproduktion. Tierisch!

Kunst! Seide! Mädchen! -
Theaterabschaffungsmaßnahmen 1 & 2

Mit kaum einer Schauspielerin arbeitete Matthias Kauffmann in den vergangenen Jahren so oft wie mit Anna März. Nun erfüllten sich beide einen lang gehegten Traum, schlossen mit einem Kammerspiel der leisen Töne - und enttarnten Irmgard Keuns "kunstseidenes Mädchen" in zwei Runden als theatervernichtendes dramaturgisches Konzept.
Mehr Licht? Nein Danke!


Else
Jahrelang im Giftschrank der Rosenheimer Off-Scene, nun live in der Vettern:
Die Kurzfilmproduktion "Else" nach A. Schnitzler von Toni Felixberger & Co. aus dem Jahre 2006. Arthouse mit allen künstlerischen Ecken und Kanten, ganz so, wie es sein muss.


Gesellschaft für pansensorische Genussoptimierung und Völlerei: Das Experiment.
*Schmatz*

Am Ziel? Eine Nachfrage.
Martin Petschan, dem Rosenheimer Publikum bekannt als netter Herr in "FLEISCH" sowie als netter Herr in "Platons Gastmahl. Ein One-Night-Stand", hielt eine kritische monologische Laudatio rund um unseren Hausgott Thomas Bernhard.

Die Reinheit der Sterne - ein Trailer.
Lang haben wir auf das zweite abendfüllende Filmwerk der Rosenheimer Trash-Ikone Justus Dallmer, dem "berühmtesten Regisseur Rosenheims" (BR) gewartet. Es gehört zu Dallmers Humor, uns bis auf Weiteres weiter warten zu lassen. Zum Abschluss gab es einmal mehr den unter Kultverdacht stehenden Bayern-3-Fernseh-Trailer von Martin Nudow vor Publikum zu sehen.

Ein Rosenheimer "Time Warp"
Es gehörte zu den fraglos fragwürdigen Regiekonzepten des kanadischen Operettenregisseurs Matt Merchant, die "Rocky Horror Show", "Jesus Christ Superstar" und ausgewählte religiöse Basistexte zu einer "Rocky R.I.P. Show" zu kompilieren - die niemals das Licht der Welt erblickte, nachdem wir Merchant nach seiner "Sieben gegen Theben"-Inszenierung im vergangenen Herbst leider fristlos feuern mussten (Bilanz jener Produktion waren eine kaputte Eieruhr, ein kaputtes Rührgerät, zwei selbstmordgefährdete Schauspieler, fünf flüchtende Zuschauer sowie zwei Stunden Vetternwirtschafts-Komplettreinigung; Sie werden unsere Personalentscheidung verstehen). Es war somit an uns, für das Finale des Abends Merchants Konzept zu einem gesunden Ganzen abzurunden...


A.-M. Hirsch zum Gedenken

THE ROCKY R.I.P. SHOW en detail


Nach diesem Marathon wurde nach der letzten Vorstellung der „Möwe“ am 1. August 2010 unser Kassensarg, prall gefüllt mit guten Wünschen und Lebensbeichten, im Garten der Vetternwirtschaft unter großer Anteilnahme begraben.



Ruhe in Frieden.